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Vincent van Gogh – eine biografische Collage
Ein-Personen-Stück von und mit Walter Vogt, Musik Thomas Weithäuser

22.4.11, 20.00 Uhr in der Ludwigskapelle, Wachenheim. Der Eintritt beträgt 12,- €.

Anlass für meine Beschäftigung mit Vincent van Gogh war der im „Van-Gogh-Jahr" 1990 erfolgte Kauf des Gemäldes Portrait des Dr. Gachet zu einem Rekordpreis von 82,5 Millionen Dollar. – Intuitiv spürte ich, dass hier eine „Perversion", eine Umkehrung der Verhältnisse vorlag: Das Werk des „Arme-Leute-Malers", als der er sich verstand und der seine Bilder am liebsten in den Stuben einfacher Bauern und Handwerker hängen sehen wollte, wurde zum Spekulationsobjekt exklusiver Finanzkreise mit der Aussicht einer staubfreien Isolationshaft in einem Tresor.

 

Ich wusste damals noch nicht sehr viel von van Gogh; sicher: die Sache mit dem Ohr, die Sonnenblumen, sein fieberhaft geschwungener Pinsel, der Selbstmord, all das, was als Van-Gogh-Klischee gehandelt wird, war mir bekannt, aber eine innere Beziehung zu ihm hatte ich noch nicht. Es war jedoch etwas in mir angesprochen und an-gestoßen, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte: das Interesse an dem Men-schen van Gogh! – Wer war dieser Vincent Willem van Gogh, wie er nach seinem auf den Tag genau ein Jahr vor ihm tot zur Welt gekommenen Bruder genannt wurde und dessen Namen er erhielt? Was waren die tieferen Impulse seiner Arbeit, seines Lebens? Welche Seelenkämpfe hatte er auszutragen, welche Widersprüche – Sehn-süchte und Widerstände, Hoffnungen und Enttäuschungen – hatte er auszuhalten? Worin lagen die Ursachen seines Scheiterns? – wenn es denn wirklich ein Scheitern war! – Dies alles beschäftigte mich. Ich las Biografien, besorgte mir Bildbände, und als ich dann die sechsbändige Ausgabe seiner Briefe in den Händen hielt, lag sein Leben – im wahrsten Sinne des Wortes – wie ein aufgeschlagenes Buch vor mir.
Mit einer gewissen scheu näherte ich mich van Gogh. Ohne vorschnell urteilen oder einordnen zu wollen, fand ich immer wieder Neues, Erstaunliches, Erschütterndes. – Wie leicht ist es doch für uns heute, dieses Leben zu überschauen, Entwicklungslinien zu erkennen, und wie schwer war es für ihn, dies alles zu durchleben, zu durchleiden, ohne die tröstende Sicherheit eines „guten Endes". - Neue Fragen tauchten auf, Fragen, die auch mich selbst, mein eigenes Leben betrafen.

Im Verlauf meiner Beschäftigung mit van Gogh reiften in mir die Idee und bald auch der Entschluss, sein Leben in Form einer biografischen Collage zu gestalten und sze-nisch aufzubereiten. Aus seiner umfangreichen Korrespondenz und dokumentierten Zeitzeugenberichten suchte ich – den einzelnen Lebensphasen entsprechend – exemplarische Textstellen, fasste zusammen, ergänzte (sehr sparsam), ordnete und fügte die einzelnen Elemente zu einer fortlaufenden Biografie zusammen. So ent-stand ein Portrait, das die persönliche und künstlerische Entwicklung van Goghs nachzeichnet, und von dem ich hoffe, dass es dem Leben und Wesen des Men-schen Vincent van Gogh nahe kommt und ihm gerecht wird.

Durch einen glücklichen Zufall lernte ich den Musiker Thomas Weithäuser kennen, der gleich bereit war, den musikalischen Part zu übernehmen. - Inzwischen haben wir das Ein-Personen-Stück „Vincent van Gogh – eine biografische Collage" über 50 Mal an unterschiedlichen Spielorten (Museum, Galerie, Kirche, Gefängnis, Bücherei ...) auf-geführt und die Faszination, die von diesem außergewöhnlichen Menschen ausgeht, ist ungebrochen.

Walter Vogt